Exkursion der Neuntklässler zur KZ-Gedenkstätte Dachau
Ein strahlend blauer Himmel, das leise Rascheln der Blätter im Wind und Stille. Mit diesem Eindruck empfing uns die Gedenkstätte Dachau. Die 9. Klassen haben im Rahmen des Geschichtsunterrichts das ehemalige Konzentrationslager Dachau besucht.
Wer das Gelände der Gedenkstätte Dachau betritt, wird als Erstes von einer fast erdrückenden Stille empfangen. Wo heute die Grundrisse damaliger Baracken liegen, befand sich das erste reguläre Konzentrationslager der Nazis, das 1933 eröffnet wurde.
Schon der Zugang zum historischen Areal hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Das Tor mit der zynischen Aufschrift „Arbeit macht frei“ war für über 200.000 Menschen der Schritt in ein System der totalen Entmenschlichung. Bei unserer Führung erfuhren wir, wie den Gefangenen systematisch ihre Identität genommen wurde. Beispielsweise wurde der Name gestrichen, die Kleidung einheitlich gestaltet und sämtliche Besitztümer konfisziert. An ihre Stelle traten Nummern und farbige Winkel auf der Häftlingskleidung, die die Gefangenen kategorisierten.
Weiter ging es mit einer Führung durch die Einzelzellen: 25 Quadratmeter, eine Holzpritsche und ein Klo. In diesen Einzelzellen wurden hochrangige Geistliche und andere bekannte Persönlichkeiten, welche man als Geisel verwenden wollte, festgehalten. Als Verpflegung gab es nur einen Laib trockenes Brot und ein bisschen Wasser. Warmes Essen gab es nur in Ausnahmefällen.
Danach wurde uns die Überwachungsanlage erklärt: Es gab zuerst eine Grasfläche, auf die man nicht treten durfte. Wurde gegen diese Regel verstoßen, wurde man sofort erschossen. Dahinter kam direkt ein Graben, welcher einen am Weiterlaufen hindern sollte. Nach diesem kam ein 2,5 m hoher, stromgeladener Maschendrahtzaun, der lebensgefährlich war. Manche Häftlinge liefen auch absichtlich in den Zaun, um nicht weiter in dieser Hölle leben zu müssen.
Das KZ hatte zwei Krematorien, ein kleineres und ein größeres, welches direkt an die Gaskammer grenzte. Diese Räume lösten ein beängstigendes Gefühl aus.
Am Ende ging es nach kurzen Abstechern bei Mahnmalen verschiedener Religionen zu den Wohnbaracken weiter, was ein weiterer wichtiger Abschnitt war. Gegen Ende des Krieges wohnten dort auf knapp 1000 Quadratmetern 1200 Juden. Diese 1200 Menschen mussten sich zusammen 20 Toiletten und wenige Duschen teilen. Die hygienischen Bedingungen waren miserabel.
Abschließend ging es zu dem großen Mahnmal, dort war als Kunstwerk noch mal der Lagerzaun abgebildet, diesmal mit Menschen drin. Außerdem wurde an die Entmenschlichung erinnert.
Danach ging es in den Bus und 3,5 Stunden später waren wir wieder in Reutlingen.
Wir haben einige Schüler nach ihren Meinungen und Eindrücken gefragt. Viele empfanden den Ort als sehr bedrückend. Andere fanden den Besuch zwar spannend, sahen ihn aber vor allem als eine Verdeutlichung des Leids, das bereits im Unterricht behandelt wurde. Einige empfanden den Besuch als mental sehr belastend und beschrieben den Ort als reine Tötungsmaschine. Dadurch wurde ihnen auch bewusst, wie wichtig es ist, bei Nazi-Witzen einzuschreiten. Andere hatten sich den Besuch emotionaler vorgestellt und nahmen ihn eher wie den Besuch eines großen Museums wahr.
Georg Gaiser, 9c
